Diese Updates aus dem Odoo & ERP-Universum sollten Sie diesen Monat nicht verpassen.
News aus dem Odoo HQ
Offizielle Updates und Beiträge direkt aus Odoo’s Zentrale, von Odoo-Mitarbeitern und Odoo-Gründer Fabien Pinckaers.
Neue Sneak Peeks vom Odoo R&D-Team
Das Odoo-Entwicklungsteam hat diese Woche wieder einige spannende Ausblicke auf die kommende Version geteilt.
Einheitliche Zugriffssteuerung in Odoo 20
Odoo vereint Zugriffsrechte (ACLs) und Datensatzregeln (Record Rules) künftig in einem einzigen Modell. Die Grundregel lautet ab sofort: Neue Benutzerrollen können Zugriffe nur noch erweitern, niemals einschränken. Außerdem überschreiben neu installierte Apps keine bestehenden Sicherheitsregeln mehr. Gerade für größere Unternehmen mit komplexen Strukturen ist das eine enorme Erleichterung. Es verhindert, dass sich Berechtigungen in die Quere kommen, Prozesse plötzlich lahmlegen oder Nutzer nach einem Update versehentlich von ihren Daten ausgesperrt werden. Die nötigen Migrationsskripte liefert Odoo für den Wechsel direkt mit.
Provisionen nach Zahlungseingang (Odoo 19.4)
Künftig lassen sich Provisionen direkt auf Basis der tatsächlich bezahlten Beträge berechnen, ganz unabhängig vom Fälligkeitsdatum. Fabrice Henrion vom Odoo R&D-Team hat das Feature für Version 19.4 bestätigt. Es funktioniert übrigens auch im Kassensystem (POS), sofern dort Rechnungen mit einem zugewiesenen Verkäufer erstellt werden.
Nativer Media-Player in Odoo
Das R&D-Team hat ein neues Widget angeteasert, das Audio- und Videodateien nativ in Odoo abspielt. Die Medien laufen direkt im jeweiligen Datensatz – inklusive eines Text-Transkripts, das synchron zur Wiedergabe mitläuft.
Kompaktere Spalten für Listenansichten
Entwickler bekommen ein neues XML-Element für die List Views an die Hand. Damit lassen sich künftig mehrere Felder ganz einfach in einer einzigen Zelle übereinander anordnen. Das Element unterstützt Labels, anpassbare Breiten und Python-Ausdrücke, um die Sichtbarkeit der Spalte dynamisch zu steuern.
Updates für Kalender und Aktivitäten (Odoo 20)
Die Odoo Kalender App bekommt ein paar richtig nützliche Verbesserungen:
Warnung bei Doppelbuchungen: Legt man einen Termin für einen Teilnehmer an, der zu dieser Zeit schon verplant ist, schlägt Odoo sofort Alarm.
Aktivitäten im Mini-Kalender: Der kleine Kalender zeigt jetzt auf einen Blick an, wie viele To-dos an den jeweiligen Tagen noch anstehen.
Smarte Pop-ups: Die Benachrichtigungen für Aktivitäten enthalten bald direkt anklickbare Links zu den verknüpften Dokumenten.
Odoo startet neues Affiliate-Programm
Ab sofort können auch Leute, die keine offiziellen Odoo-Partner sind, neue Nutzer werben und dafür eine Provision kassieren.
Das Ganze funktioniert ziemlich simpel:The setup is simple:
- Link teilen & mitverdienen: Man teilt seinen Empfehlungslink und bekommt 10% vom Abo-Umsatz des neuen Kunden für dessen gesamtes erstes Jahr.
- 31 Tage Zeit: Wer auf den Link klickt, hat danach 31 Tage Zeit sich anzumelden.
- Auszahlung: Das Geld wird nach Zahlungseingang noch 90 Tage als Puffer zurückgehalten (als Sicherheit bei Stornierungen oder Betrugsversuchen).
Mitmachen können vor allem drei Gruppen: aktuelle Odoo-Nutzer, Content Creator mit Business-Zielgruppe und Branchenverbände.
Es gibt nach oben hin aktuell kein Limit für die Einnahmen. Odoo hat dafür extra einen Provisionsrechner online gestellt, mit dem man direkt durchspielen kann, was bei der eigenen Reichweite und Abschlussquote finanziell so drin wäre.
Alle Highlights vom Odoo Partner Day DACH 2026
Einmal im Jahr treffen sich die regionalen Partner, um einen exklusiven Blick auf die kommenden Updates und Strategien von Odoo zu werfen. Falls Sie das Event dieses Mal verpasst haben – hier sind die wichtigsten Ankündigungen zusammengefasst.
Hallo München!
DACH-Chef Johannes Kreuzen leitet den Ausbau und baut am neuen Standort zunächst die Vertriebs- und Serviceteams auf. Das ist der erste große Schritt der neuen „Ein Unternehmen, zwei Büros“-Strategie: Mit München als zweitem strategischen Hub neben Berlin macht Odoo klar, dass sie den DACH-Markt langfristig für sich gewinnen wollen.
Apropos Berlin: Das Büro dort platzt aus allen Nähten. Das Team kratzt mittlerweile an der 200-Mitarbeiter-Marke – rund die Hälfte davon ist allein seit Januar dazugekommen. Um Platz für das rasante Wachstum zu schaffen, hat das Team bereits eine weitere Etage bezogen.
DACH überholt Frankreich und klettert auf Platz 2 im EMEA-Markt
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Das massive Hiring kommt nicht von ungefähr. Die DACH-Region wächst extrem schnell und hat die monatlichen Neukundenzahlen im Vergleich zum Vorjahr mal eben verdoppelt. Kürzlich wurde ein neuer Meilenstein beim jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) geknackt, und die magische Grenze von 10.000 Kunden rückt in greifbare Nähe.
So hat die DACH-Region Frankreich offiziell den Rang abgelaufen und ist nun der zweitgrößte EMEA-Markt von Odoo. Allein in Deutschland gab es zwischen Januar und Mai ein saftiges Umsatzplus von 133% im Jahresvergleich. Da ist es nur logisch, dass auch das Partnernetzwerk mitzieht: Die Zahl der deutschen Partner ist im letzten Jahr um 70% gestiegen.
Wichtige Updates für Steuern und Compliance
Das Keynote-Event brachte auch richtig gute Neuigkeiten für Finanzteams in der DACH-Region im Vorfeld des Odoo 20-Releases:
- Deutschland: Die direkte Umsatzsteuervoranmeldung über eine neue ELSTER-Integration kommt. Außerdem ist Odoo 19 nun komplett GoBD-konform, und die Zertifizierung für Odoo 20 läuft bereits.
- Österreich: Nutzer können sich auf eine direkte Anbindung an FinanzOnline und revisionssichere XML-Exporte freuen.
- Bank-Feeds: An einer dauerhaften Lösung für die automatische Synchronisierung von Bankdaten wird aktuell geschraubt; bis dahin hält ein solider Workaround den Betrieb am Laufen.
Kern-Apps laufen jetzt komplett offline
Schlechtes Internet bremst Sie in Odoo 20 nicht mehr aus. Das kommende Release bringt vollständigen Offline-Support für wichtige Kernanwendungen wie Finanzen, Lager und Fertigung. Sie können Datensätze künftig komplett ohne Verbindung erstellen, bearbeiten und archivieren – synchronisiert wird automatisch, sobald Sie wieder online sind.
Claude AI zieht in den Odoo-Chat ein
Anthropics Claude AI wird direkt in den Odoo-Chat eingebaut. Damit landet der beliebte KI-Assistent mit dem Release von Odoo 20 nativ in Ihrem täglichen Workflow.
Odoo 20 bekommt nativen Zeilenzähler für Code (LoC)
Odoo liefert bald ein natives Tool zur Erfassung von Codezeilen (Lines of Code) mit. Ein aktueller GitHub-Commit des R&D-Teams zeigt ein neues Feature, mit dem Entwickler und Admins individuelle Anpassungen in ihren Datenbanken auf Knopfdruck messen können.
Das Update bringt ein strukturiertes Backend-Framework, das Custom-Code sauber vom Odoo-Standard trennt.
Das bringt das neue Tool:
Anpassungen tracken: Datenbank scannen und exakt zählen, wie viele Codezeilen durch eigene Entwicklungen hinzugefügt wurden.
Migrationen besser planen: Partner und Kunden können den Aufwand für Upgrades leichter abschätzen, da sich das Volumen von Custom-Code nun präzise messen lässt.
Technische Schulden im Griff: Sorgt für volle Transparenz bei Datenbankänderungen und macht es deutlich einfacher, den Code sauber zu halten.
Community-Tratsch
Die heißen Themen, über die Odoo-Nutzer diesen Monat sprechen.
Neues aus der ERP-Welt
Schlagzeilen aus der ERP-Welt, die Sie nicht verpassen sollten.
Neue KI-Studie prophezeit das Ende des Stundensatzes
Sobald KI nicht mehr nur assistiert, sondern Prozesse von A bis Z selbstständig abwickelt, haben klassische Pauschallizenzen und Stundenabrechnungen ausgedient. Denn mal ehrlich: Wenn eine KI in Sekunden erledigt, wofür früher ein ganzes Team gebraucht wurde, ist eine Abrechnung nach Zeit einfach nicht mehr vermittelbar.
Dieser Wandel wird unweigerlich auch das Berufsbild in der Tech-Branche umkrempeln. Reines Routine-Coding und manuelle Tests rücken in den Hintergrund. Viel gefragter sind künftig Leute, die Systemarchitekturen bauen, KI-Lösungen orchestrieren und ihr Branchenwissen gezielt einsetzen, um echte Geschäftsanforderungen in automatisierte Prozesse zu gießen.
Microsoft Dynamics 365 bringt autonome KI ins CRM
Salesforce und SAP haben in letzter Zeit die Schlagzeilen dominiert, sodass es um Microsoft fast ein wenig ruhig wirkte. Doch die Entwickler waren keineswegs untätig und rollen nun vollkommen autonome Agenten für Dynamics 365 aus.
Das Ziel ist ein CRM, das sich im Grunde selbst verwaltet. Die Zeiten von simplen Chatbots, die nur Texte zusammenfassen, sind vorbei. Die neuen Systeme protokollieren Kundengespräche eigenständig, halten die Sales-Pipeline aktuell und übernehmen die Schichtplanung im Support. Die ersten Tools für das Contact Center kommen schon Ende Juni.
Klar ist aber auch: Eine KI, die eigenständig die Datenbank anpasst, ist immer ein Compliance-Risiko. Deshalb bringt Microsoft mit Agent 365 auch gleich ein Management-Framework und ein passendes Überwachungs-Tool mit raus. IT-Admins bekommen so ein zentrales Dashboard, um genau zu sehen, welche Daten ein Bot anfasst, und können verwaiste Agenten direkt abschalten.
Trotzdem sieht die Realität im Markt noch etwas anders aus. Bisher lassen erst sehr wenige Unternehmen autonome Agenten im echten Produktivbetrieb laufen. Die eigentliche Herausforderung für Microsoft ist jetzt nicht die Software an sich, sondern die Überzeugungsarbeit: Das Partnernetzwerk muss den Kunden zeigen, dass man die Systeme auch wirklich sicher aktivieren kann.
Mistral bringt OCR 4 für strukturierte Dokumentenerkennung
Mistral hat mit OCR 4 ein neues Modell zur Dokumentenerkennung veröffentlicht. Das Tool liest Texte nicht nur stumpf aus, sondern klassifiziert Inhalte nach Typ und erfasst die genaue Position jedes Elements auf der Seite.
Der eigentliche Clou im Vergleich zu klassischen OCR-Tools ist die Art, wie Dokumente aufgeteilt werden: Statt Texte starr nach Seitenlänge zu trennen, zerlegt OCR 4 sie anhand ihrer logischen Struktur. Tabellen oder Absätze bleiben dadurch als zusammenhängende Einheiten erhalten und werden nicht mitten im Satz zerschnitten.
Das Modell unterstützt 170 Sprachen und schlägt sich besonders gut bei selteneren Schriftzeichen und Dialekten, an denen herkömmliche OCR-Systeme meist scheitern.
Für Unternehmen mit strengen Compliance- oder Datenschutzvorgaben gibt es außerdem die Option, das Ganze als Container auf eigenen Servern zu betreiben (Self-Hosting).
Zudem positioniert Mistral das Modell für den Einsatz in KI-Agenten: OCR 4 liest Dokumente nicht nur, sondern kann direkt automatisierte Folgeprozesse anstoßen – wie das Ausfüllen von Formularen oder das Buchen von Rechnungen.
Salesforce geht auf KI-Einkaufstour
Salesforce hat die KI-Kundenservice-Plattform Fin für 3,6 Milliarden Dollar gekauft. Das entspricht etwa dem 9-fachen Jahresumsatz von Fin.
Das Tool ist vor allem für KMUs gedacht, läuft auf einem eigenen Sprachmodell und rechnet nach Ergebnissen statt nach Nutzerlizenzen ab – was es zur perfekten Ergänzung für Agentforce macht.
Aber KI-Agenten bereitzustellen ist nur das eine, man muss sie auch abrechnen können.
Um diese Lücke zu schließen, kauft Salesforce gleich noch m3ter dazu. Das ist eine Plattform, die Echtzeit-Nutzungsdaten zieht und die nutzungsbasierte Abrechnung automatisiert. Dieser Deal soll bis Q2 2027 durch sein.
Die Strategie dahinter ist simpel: Kunden nutzen die KI-Agenten über Fin, und Salesforce rechnet jede Interaktion nahtlos über m3ter ab.
Das ist bereits die 15. Übernahme seit Mai 2025. Ein ziemliches Tempo, das angesichts der kürzlichen Entlassungswellen bei Agentforce, Mulesoft und der Marketing Cloud einen bitteren Beigeschmack hat.
Obwohl Salesforce für Agentforce mit einer Milliarde Dollar Umsatz prahlt, tut sich das Tool seit dem Launch schwer, echte Kunden zu gewinnen, und die Aktie ist dieses Jahr um 30 % abgerutscht. Offenbar ist es für Salesforce aktuell aber einfach schneller, sich KI-Wachstum einzukaufen, statt selbst zu entwickeln.
US-Regierung zwingt Anthropic zum Rückzieher bei Fable 5 und Mythos 5
Anthropic hat seine neuen KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 nur wenige Tage nach dem Launch weltweit vom Netz genommen.
Die US-Regierung hatte aus Gründen der nationalen Sicherheit eine drastische Exportsperre verhängt. Diese gilt global und schließt sogar Anthropics eigene Mitarbeiter im Ausland von der Nutzung aus.
Auslöser war ein sogenannter Jailbreak. Nutzer konnten Sicherheitsvorgaben austricksen, indem sie kritische Anfragen einfach als Code-Reviews tarnten. Anthropic hält die harte Reaktion der Regierung für völlig überzogen und verweist darauf, dass Konkurrenzmodelle und Branchen-Tools ähnliche Schwachstellen aufweisen. Das Unternehmen warnt, dass solche strengen Maßstäbe den Fortschritt der gesamten KI-Branche abwürgen könnten.
Im Netz stößt die Sperre auf massives Unverständnis und Frust. In Foren wie Reddit überschlagen sich die Kommentare enttäuschter Entwickler. Sie trauern vor allem der enormen Geschwindigkeit und der herausragenden Genauigkeit von Fable 5 beim Programmieren hinterher. Viele hatten ihre Workflows bereits auf das neue Modell umgestellt und müssen nun notgedrungen auf langsamere oder ältere Vorgänger ausweichen.
Anthropic bringt „sichere“ Version des Mythos-Modells heraus
Anthropic hat Claude Fable 5 gelauncht – eine kommerzielle Version seines leistungsstarken und bisher streng limitierten Mythos-Modells.
Der KI-Riese hatte zuvor noch gewarnt, dass eine öffentliche Version von Mythos aufgrund seiner extrem autonomen Fähigkeiten und der damit verbundenen Sicherheitsrisiken zu gefährlich sei.
Die neue Architektur liefert zwar überragende Ergebnisse bei Coding und Logik, die komplett unzensierte Version bleibt aus Angst vor Cyberangriffen aber weiterhin Regierungspartnern vorbehalten.
Damit der öffentliche Rollout trotzdem sicher über die Bühne geht, hat Anthropic eine automatische Notbremse eingebaut. Sobald ein Prompt die Echtzeit-Sicherheitsfilter auslöst, leitet das System die Aufgabe heimlich an ein normales Claude Opus-Modell um und blockiert so riskante Aktionen.
Erste Entwickler beschweren sich jedoch, dass dieser Filter viel zu aggressiv eingreift. Fable 5 blockiert aktuell teils schon völlig normale Anfragen wie Code-Reviews oder schlägt Alarm, wenn man dem Modell nur einen Blogpost über IT-Sicherheit zu lesen gibt.
Das wirft eine spannende Frage auf: Bringt ein Sicherheitsfilter überhaupt etwas, wenn er nicht zwischen harmlosen und echten Bedrohungen unterscheiden kann?
Nächste Entlassungswelle bei Salesforce
Salesforce streicht erneut Jobs, und dieses Mal trifft es unter anderem Mitarbeiter rund um das KI-Aushängeschild Agentforce.
Die Kündigungswelle erstreckt sich auch auf das IT-Tool Mulesoft und die Marketing Cloud, wobei Stellen von Kalifornien bis hin zu internationalen Standorten abgebaut werden.
Dass ausgerechnet im KI-Bereich gekürzt wird, überrascht. Salesforce hatte Agentforce massiv gepusht, um Anlegern die Sorge zu nehmen, KI könnte die klassische CRM-Software des Unternehmens obsolet machen. Ende letzten Jahres kursierten allerdings Berichte, dass Agentforce kaum genutzt wird und die tatsächliche Leistung deutlich hinter den Hochglanz-Demos zurückbleibt.
Salesforce beteuert zwar, dass Agentforce kürzlich die Marke von 1 Milliarde Dollar an hochgerechnetem Jahresumsatz geknackt hat, die Aktie des Unternehmens ist in diesem Jahr dennoch um 30 % abgestürzt. Die aktuellen Kürzungen folgen auf eine erste Entlassungswelle im Januar – ein klares Signal, dass der Tech-Gigant auf die Kostenbremse treten muss.
EU-Parlament verabschiedet sich von Google und setzt auf französische Suchmaschine Qwant
Das Europäische Parlament ersetzt Google als Standardsuchmaschine auf allen internen Computern durch Qwant. Die Änderung führt dazu, dass Suchanfragen über andere Anbieter automatisch an Qwant umgeleitet werden.
Mitarbeiter können zwar weiterhin manuell zu Google zurückwechseln, doch dieser Schritt spiegelt dennoch das Streben nach europäischer Technologie-Unabhängigkeit wider. Dies folgt auf jüngste Forderungen von EU-Abgeordneten, sich auch von großen, in den USA ansässigen Cloud-Anbietern und Software-Suites zu lösen.
Wie sich die Infrastruktur verändert:
Souveräner Suchindex: Qwant hat sich im Rahmen eines Joint Ventures namens European Search Perspective (EUSP) mit dem Berliner Startup Ecosia zusammengeschlossen. Das Ziel ist der Aufbau eines völlig unabhängigen, datenschutzfreundlichen europäischen Suchindexes
Vorstoß für öffentliche Infrastruktur: Die EUSP fordert derzeit die europäischen Regierungen auf, nationale Suchindizes zu entwickeln. Die Gruppe argumentiert, dass lokale Indizes unerlässlich sind, um die öffentliche digitale Infrastruktur vor ausländischem Tracking zu schützen.
Die Initiatoren der Kampagne betonten, dass es sich hierbei nicht um eine Anti-Amerika-Kampagne handle, sondern um eine notwendige Maßnahme zur pro-europäischen Souveränität, um lokale Daten zu sichern.
Microsoft kündigt sieben neue hauseigene MAI-Modelle an
Microsoft hat eine neue Familie von sieben hauseigenen KI-Modellen auf den Markt gebracht, die für komplexe Arbeitslasten in Unternehmen entwickelt wurden.
Vom Entwicklungsteam als „Hill-Climbing-Maschine“ (Bergsteiger-Maschine) bezeichnet, wurde MAI entwickelt, um Microsofts Abhängigkeit von externen Partnern wie OpenAI zu verringern.
Das neue multimodale Ökosystem deckt logisches Denken (Reasoning), Programmierung, Bildgenerierung, Transkription und Sprache ab. Die sieben MAI-Modelle lassen sich nativ in die Enterprise-Software-Plattform von Microsoft integrieren:
MAI-Thinking-1: Ein mittelgroßes Reasoning-Modell mit einem 256K-Kontextfenster, das für komplexe, mehrstufige Anweisungen entwickelt wurde.
MAI-Code-1-Flash: Ein für die Inferenz hocheffizientes Programmiermodell, das für GitHub Copilot und VS Code fein abgestimmt wurde, um Token-Kosten zu senken.
MAI-Image-2.5: Ein fortschrittliches Text-zu-Bild- und Bildbearbeitungsmodell, das für kreative Workflows in Unternehmen entwickelt wurde.
MAI-Image-2.5 Flash: Eine ultra-effiziente Variante des Bildmodells, die für schnelle Designaufgaben mit hohem Volumen optimiert ist.
MAI-Voice-2: Ein Tool zur Sprachgenerierung, das in der Lage ist, aus einer kurzen Audioprobe natürlich klingende Text-to-Speech-Ausgaben in 15 Sprachen zu erzeugen.
MAI-Voice-2 Flash: Eine kostengünstigere, ultra-effiziente Version der Sprach-Engine, die für die schnelle Bereitstellung von Audioinhalten entwickelt wurde.
MAI-Transcribe-1.5: Ein Hochgeschwindigkeits-Transkriptionsmodell, das fachspezifische Terminologie in 43 Sprachen unterstützt.
Microsoft stellte außerdem Frontier Tuning vor, ein System, das Unternehmen die volle Kontrolle über ihre Daten geben soll. Es ermöglicht Firmen, die Modelle direkt auf ihren eigenen internen Workflows und privaten Datenbanken zu trainieren.
Da alles innerhalb einer sicheren Compliance-Grenze bleibt, behalten die Unternehmen das volle Eigentum am finalen Modell. Erste Tests zeigen, dass eine maßgeschneiderte Version für Excel 10-mal effizienter ist, was auch die Cloud-Computing-Kosten drastisch senken könnte.
Salesforce kauft Contentful, um KI-Agenten mit strukturierten Inhalten zu füttern
Salesforce hat Contentful, ein Headless-Content-Management-System, übernommen, um sein Headless 360-Ökosystem zu erweitern.
Die Übernahme soll einen aktuellen Engpass bei der KI im Unternehmen lösen: den einfachen, strukturierten Zugriff auf offizielle Firmentexte und -medien.
In einem traditionellen CMS existieren Texte und Bilder innerhalb bestimmter Webseiten-Layouts, was es für eine KI schwierig macht, sie sauber zu extrahieren. Contentful entfernt diese Designschicht und speichert Texte, Produktdetails und Marketingmaterialien als wiederverwendbare Daten.
Durch die Integration des Tools in die Agentforce-Plattform erhalten die KI-Agenten von Salesforce einen direkten Zugriff auf freigegebene Unternehmensinformationen. Das bedeutet, dass die KI sofort eine exakte Produktbeschreibung oder Richtlinie für Rücksendungen abrufen kann, um eine maßgeschneiderte Kunden-E-Mail zu verfassen – ohne dass Fakten frei erfunden werden.
Der Deal stieß bei Entwicklern jedoch sofort auf Gegenwind. Kritiker argumentierten, dass eine echte Integration in die Plattform Jahre dauern könnte. Zudem warnten sie davor, dass dies in erster Linie die Anbieterbindung (Vendor Lock-in) erhöht und ein ohnehin schon riesiges Ökosystem noch komplexer macht.
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